Ende nach 90 Jahren? Aus für die Industriebahn Töging möglich

14. Februar 2014

140214_Industriegleis_02Mehr als ungewiss scheint die Zukunft der Industriebahn Töging. Sie versorgte bis in die 1990er Jahre das Werk der Vereinigten Aluminiumwerke in Töging. Nach dem Ende des Werkes bedienten sich noch einige Nachfolgefirmen der Eisenbahn. So wurden Wagen anfangs für einen Recycling-Betrieb zugestellt, später nur noch für den VAW-Nachfolger Aleris.

Seit einigen Wochen steht nun unübersehbar ein Sh 2-Schutzsignal am Beginn der Trasse östlich des Bahnhofes Töging. Offensichtlich hat sich auch der letzte Kunde im „Industriepark Inntal“ entschlossen, sich derzeit nicht durch die Bahn beliefern zu lassen.
Verwirrend ist allerdings, dass der Online-Güterzugfahrplan von DB-Schenker weiterhin eine Bedienung des Bahnhofes Töging zweimal wöchentlich ausweist.

140214_Industriegleis_03Ein weiteres schlechtes Zeichen ist die Entfernung eines der beiden Bahnübergänge in der Söderbergstraße. Über diesen Übergang wurde die nördliche Gleisgruppe der Firma Aleris, bestehend aus einem dreigleisigen Bereich mit Weichenverbindungen, angesteuert. In den letzten Jahren diente diese Gleisgruppe vor allem dem Umfahren des Güterzuges durch die Lok. Nachdem die Gleisgruppe vor 140214_Industriegleis_05einigen Jahren im Aleris-Werk selbst verkürzt worden war, ist sie nun gänzlich vom Industriegleis abgeschnitten.

 

 

 

140214_Industriegleis_04Verblieben ist im Bereich des Industrieparks lediglich das südliche Werksgleis, das aber offensichtlich derzeit nicht genutzt wird.

 

 

 

Besondere Brisanz erhält das Thema derzeit durch den laufenden Kommunalwahlkampf. Sowohl die SPD-Fraktion im Töginger Stadtrat als auch die Freien Wähler möchten die Trasse des Industriegleises gerne als sogenannte „Industriestraße“ ausbauen, um LKW´s eine direkte Verbindung von der Autobahn A 94 zum Industriepark zu ermöglichen. Sollte eine weitere Nutzung des Industriegleises fraglich sein, erhielten diese Pläne weiteren Aufwind.
Der Kandidat der SPD für das Bürgermeisteramt, Werner Noske, hat sich dafür ausgesprochen, Bahn und Gleis nebeneinander ins Inntal zu führen. Wie das baulich möglich sein soll, wurde jedoch nicht näher erläutert.
Alexander Wittmann, Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler, betrachtet das Gleis als gänzlich überflüssig und möchte die Straße direkt auf der Gleistrasse errichten.
Lediglich der Kandidat der CSU, Dr. Tobias Windhorst, plädiert dafür, die Gleistrasse zu erhalten. Er argumentiert, es können nicht sein, Infrastruktur zu zerstören und andererseits zu verlangen, möglichst viele Güter auf die Schiene zu verlagern.

Ins Spiel gebracht wurde aktuell auch ein Betrieb, der nach dem Wegzug der Landmaschinen-Firma „Fliegl“ Interesse an deren Werkshallen zeige. Angeblich sei jedoch eine Grundvoraussetzung für die Ansiedlung ein funktionierender Gleisanschluss. Dazu müsste jedoch wohl erst einmal eine kurze Verbindung vom südlichen Ladegleis in den Bereich der ehemaligen Firma Fliegl gebaut werden.

Dieser Beitrag wurde unter Bahnhöfe, Gleispläne, Güterverkehr, Industriebahn Töging, Töging veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.