21. Oktober 1891: PRESSE – Speisewagen im Orientexpress

Augsburger Abendzeitung vom Mittwoch, 21. Oktober 1891

C.H. München, 20. Okt. Bei dem Bestreben, die Fahrzeiten und Aufenthalte der durchgehenden Schnellzüge immer mehr abzukürzen, hat die Bequemlichkeit des reisenden Publikums häufig darunter zu leiden, daß auf keiner Station mehr ein genügender Aufenthalt vorgesehen ist, um in zuträglicher Weise eine Mittags= oder Abendmahlzeit einnehmen zu können. Und selbst dann, wenn auf irgend einer Station zu diesem Zwecke ein Aufenthalt von 15 oder 20 Minuten gegeben ist, bleibt es für ältere Reisende, Damen, Kinder etc. immer mit Schwierigkeiten verknüpft, innerhalb dieser Zeit die oft weit entfernte Restauration aufzusuchen und mit dem Essen fertig zu werden. Hier tritt nun die Verpflichtung der Eisenbahnverwaltungen ein, durch entsprechende Einrichtungen diesem für die Mehrzahl der Schnellzugsreisenden äußerst unangenehmen Zustände abzuhelfen, was am besten und zweckmäßigsten durch Einstellung von Speisewagen in den betr. Schnellzüge geschehen kann. Auf solchen Linien, auf welchen sich das Bedürfnis schon früher geldend machte, ist von den Bahnverwaltungen mit dieser Einrichtung bereits vorgegangen worden und verkehren zum Beispiel auf den bayerischen Linien zwischen Ulm und Simbach im Orientexpreßzug und zwischen Aschaffenburg und Eger in den Sommerschnellzügen nach den böhmischen Bädern Speisewagen. Seitens der bayerischen Bahnverwaltung ist neuerdings eine weitere Ausdehnung dieser Einrichtung beabsichtigt und sind namentlich die Tagesschnellzüge auf den Linien München = Regensburg = Leipzig; München = Nürnberg = Hof und München = Würzburg = Frankfurt a. M. zur Einstellung von Speisewagen in’s Auge gefaßt. Zur näheren Erörterung dieser Frage und beschleunigten Durchführung dieser Maßnahme vorläufig auf der erstgenannten Linie findet heute am Sitze der Generaldirektion hier eine Konferenz zwischen Vertretern der k. preuß. Eisebahndirektion Erfurt, der Generaldirektion der sächsischen Staatsbahnen und der bayerischen Eisenbahnverwaltung statt und ist im Interesse des reisenden Publikums nur dringend zu wünschen, daß diese Verhandlungen ein günstiges Resultat haben.

Quelle: Walter Langenmeier (mit freundlicher Genehmigung)

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