1. Juli 2020: Deutschlandtakt – Railjet auf Mühldorf-Simbach?

Mit dem „Deutschlandtakt 2030“ hat sich das Bundesverkehrsministerium ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Für ganz Deutschland soll ein umfassender integraler Taktfahrplan entstehen, der eine massive Erhöhung der Attraktivität des Schienenverkehrs, eine starke Steigerung aller Verkehre und eine Ausweitung des Fernverkehrs zum Ziel hat.

Mit dem dritten Gutachterentwurf wurde eine dicke Überraschung bekannt: Die Gutachter sprechen sich für eine zweistündliche Fernverkehrslinie über Simbach/Braunau aus. Verkehren sollen Railjet-Züge der ÖBB zwischen München und Wien. Zur jeweils anderen Stunde ist die Führung der Züge ebenfalls über Mühldorf, aber dann weiter über Freilassing/Salzburg geplant.

Rote Linie bedeutet Fernverkehr, eine gestrichelte Linie zeigt einen zweistündlichen Takt an.

Netzgrafik „Bayern“ des dritten Gutachterentwurfs zum Deutschlandtakt

Informationen zum dritten Gutachterentwurf des Deutschlandtakts

Wenn man die im Gutachterentwurf angegebenen Ankunfts- und Abfahrtszeiten zugrunde legt, ergibt sich beispielhaft folgendes Zugangebot zwischen Mühldorf und Simbach:

Bei genauer Betrachtung des Fahrplans ergeben sich folgende Konsequenzen:

  • Der Haltepunkt Julbach muss durch die Errichtung eines Kreuzungsgleises zum Bahnhof ausgebaut werden.
    In Julbach ist die Kreuzung zwischen den Railjet-Zügen und den Regionalbahnen vorgesehen.
  • Zwischen Mühldorf und Töging muss ein zusätzlicher Streckenblock installiert werden, um im Abstand von drei Minuten Züge fahren lassen zu können.
  • Die Regionalbahnen kreuzen wie auch heute schon stündlich weiterhin in Marktl.
  • Der Bahnhof Töging steht wie bisher für Kreuzungen mit dem Güterverkehr zur Verfügung.
  • Durch die Kreuzungen zwischen den Regionalbahnen und den Railjet-Zügen ergeben sich dauerhafte Fahrzeitverlängerungen zwischen Mühldorf und Simbach von etwa 5 Minuten.

Darüber hinaus muss die Strecke elektrifiziert werden. Dies erscheint ohnehin sinnvoll, da die Österreichischen Bundesbahnen die Elektrifizierung bis Braunau/Simbach bereits angekündigt haben.

Zusammenfassend erscheinen die notwendigen Investitionen (Kreuzungsgleis, Elektrifizierung, Zusatzblock) vertretbar im Vergleich zum Nutzen. Es ergäbe sich mit der Ertüchtigung der Strecke eine weitere sinnvolle Ost-West-Verbindung, die attraktive Fahrzeiten bietet und eine Ausweichroute im Störungsfall darstellen kann.

Webseite des Deutschlandtaktes